PIZZAWÜRSTELS PRIVAT, REZEPTE

Backmarathon Etappe 4: Pastiera mit Gastköchinnen

27. January 2018

Nach den letzten einsamen Etappenniederlagen braucht Herr Pizzawürstel Rückenwind: gemeinsam mit zwei Freundinnen backen wir die Königin der Kuchen: Pastiera

Eigentlich wollte Herr Pizzawürstel in einem einmonatigen Urlaub sein Deutsch auf das Sprachniveau B2 bringen. Deshalb besucht er vormittags  einen Intensivkurs. Die Hausaufgaben schreibt er abends (oft auf meine Deutschkenntnisse zurückgreifend) fix nieder und die freien Nachmittage verbringt er zwischen Ofen und Teigrührmaschine, einen selbstauferlegten Backmarathon absolvierend.  Die Etappensiege und Etappenniederlagen dokumentiere ich in dieser kleinen Serie. Und damit Herr Pizzawürstel wenigstens ein bisschen Deutsch übt, schreibt er die Einleitung zu jeder Etappe und stellt das Backstück vor. Uneditiert.

Herr Pizzawürstel über Etappe 4: Pastiera. Die Zeit zu backen ist eigentlich viel weniger als ich gedacht habe. Ich wollte zwei/drei Mal die Woche etwas backen, aber, zwei Wochen sind schon vorbei und ich habe nur drei Mal gebackt. Plus, zwei Mal ich war gar nicht erfolgreich…. Die Zeit läuft und ich brauche Ergebnisse! Deswegen habe ich entschieden ich brauche eine kleine Hilfe, ich muss wieder auf dem rette Weg! Erst: Scheinbar ich habe mehr Erfolg mit Desserts als mit Brot, so, die nächste Versuch wird ein Dessert. Zweite: zwei Freundinnen von mir haben schon geplant eine typische Torte aus Neapel zu backen, ich habe sie deswegen bei uns eingeladen, um alle zusammen zu backen. Dritte, ich lerne hier, eine Freundin wird das Rezept uns zeigen und ich improvisiere nicht mehr! Öffentlich, ich nehme wieder drei Sterne!!!

Pastiera: Ein neapolitanischer Klassiker

Meine erste Pastiera habe ich an einem Osterbrunch gegessen. Sara hatte sie mitgebracht. Und ich hatte einen dieser seltenen und wunderbaren Momente, in denen ich zum allererstenmal einen vollkommen neuen Geschmack erlebe. Die Pastiera schmeckt ein bisschen wie ein gutes Parfüm mit leichtem Orangenblütenaroma und ganz köstlich überraschend saftig und frisch, von einer Konsistenz, wie man sie in deutschen Kuchen nicht findet. Alles in allem: neu und absolut göttlich. Ich war gar nicht überrascht zu lernen, dass die Zubereitung einer Pastiera einen halben Tag dauert – wenn man es sich leicht macht. Und, natürlich, dass die wichtigsten Zutaten in Deutschland nicht zu finden sind.

Gemeinsam backen: Mehr Spaß und mehr Pastiera

So schmeckt die Pastiera noch besser: Alle werkeln gemeinsam in der Küche rum. Von vorne nach hinten: Barbara (Back-Azubi), Sara (Back-Chefin und Pastiera-Veteranin), Herr Pizzawürstel (Back-Azubi) mit Baby Secondo.

Nun wollte es der Zufall, dass zwei Freundinnen von uns eine Pastiera backen wollten. Herr Pizzawürstel hat die Gelegenheit am Schopf gepackt und die Beiden mit dem Versprechen, Focaccia aufzutischen, zu uns gelockt. Um elf Uhr ging es los und die erste Pastiera war um 16 Uhr fertig. Dazwischen wurde natürlich nicht nur gebacken, sondern gegessen, gequatscht und mit den Kindern gespielt. Auch der ein oder andere Wein wurde geleert.

Und das Ergebnis war großartig: DREI STERNE gehen an die Pastiera, mindestens! Wir haben das aufwendige Backwerk innerhalb weniger Minuten aufgegessen und außer einem leichten Geschmack nach Orangenblüten auf der Zunge ist nichts geblieben. Nichts, außer der Idee, von nun an regelmäßig als deutsch-italienischer Backclub zusammenzukommen und gemeinsam den italienischen und deutschen Kuchenkanon rauf- und runterzubacken. Es war also ein äußerst produktives Wochenende.

Und hier nun das Rezept zum Nachbacken. Die Zutaten ergeben zwei Pastiere. Ein weiterer Grund, sich Freunde zum Backen einzuladen.

1. Den Pastiera-Boden zubereiten

Der italienische Mürbeteig heißt “Pasta frolla”

  • 500 gr Mehl
  • 3 Eier
  • 200 gr Zucker
  • 200 gr Butter (oder Margarine)

Alle Zutaten mit den Händen oder der Teigmaschine vermischen und zu einem festen Teig kneten. Jedoch nicht zu lange an dem Teig arbeiten, denn sonst wird die Butter flüssig. Deshalb funktioniert das mit Margarine etwas besser – sie schmilzt nicht so schnell wie Butter. Die feste Teigkugel in Frischhaltefolie einwickeln und mindestens eine Stunde im Kühlschrank lagern. Diesen Teig kann man auch gut am Abend vorher zubereiten und über Nacht im Kühlschrank lassen.

Pasta frolla Butterteig gelb fest für Pastiera

Barbara präsentiert den Mürbeteig

2. Das Geheimnis der Pastiera: die Füllung

Die wichtigste Zutat der Pastiera ist gekochter Weizen. Herr Pizzawürstel und die Gastköchinnen haben sich eine Stunde darüber ausgelassen, dass sie den gekochten Weizen aus Italien importieren mussten.   Dabei ist es doch so einfach: Ebly. Wir haben die Pastiera mit frisch aus Neapel importierten Weizen der  Kultmarke Chirico zubereiten. Aber nichts spricht gegen Ebly – außer der neapolitanische Nationalstolz, natürlich.

  • 700 gr Ricotta
  • 600 gr Zucker
  • 100 ml Milch
  • 30 gr Butter
  • 5 Eier und 2 Eigelb
  • 440 gr gekochter Weizen (z.B. Chirico)
  • 100gr kandierte Früchte (Orangeat und Zitronat)
  • 3 Esslöffel Orangenblütenessenz
  • 20ml süßer Kräuterlikör
  • 20ml Limoncello
  • die abgeriebene Haut zweier Zitronen
  • 1 Vanilleschote
  • eine Prise Zimt
  • eine Prise Salz

Sieht ungewöhnlich aus für eine Kuchenfüllung, ist aber unglaublich köstlich und ausreichend exotisch. Und was man hier noch sieht: Pastiera-Backen verlangt nach Küchenchaos. Und nach Limoncello!

Los geht’s: Den gekochten Weizen mit der Milch, der geriebenen Zitronenschale und der Butter in einem Topf mit dickem Boden geben. Über zehn Minuten unter Rühren erhitzen bis die Paste cremig ist. Dann vom Herd nehmen und abkühlen lassen.

Während der Weizenteig abkühlt, verquirlt ihr den Ricotta mit dem Zucker und den Eiern mit dem Rührgerät. Dann fügt ihr der flüssigen Masse die Aromen hinzu (die zu diesem einzigartigen und für  deutsche Geschmacksknospen sehr ungewöhnlichen Geschmack führen): Vanille, Orangenblütenessenz, Zimt, Orangeat und Zitronat, Salz und ein halbes Löffelchen geriebene Zitronenschale. Ein Schlückchen Limoncello trinken und ein Schlückchen in die Mischung gießen. Kräuterlikör ebenso.

Dann beides – Ricottamix und Weizenmix – zusammenschütten und gut mischen.

3. Die Pastiera zusammenbasteln

Die Kuchenform (Tortiera) muss gut gebuttert und gemehlt sein, damit der Mürbeteig daran nicht anbackt.

Rollt den Mürbeteig auf einer bemehlten Arbeitsfläche sehr dünn (zwei bis drei Millimeter) aus. Der Teig muss nun so zurechtgeschnitten werden, dass er den Boden der Tortiera und auch deren Wände und den oberen Rand bedeckt. Der Teig soll nur leicht in die Form gedrückt werden. Dann stecht ihr mit der Gabel ein paar wenige Löcher in den Boden. Dann die die Form mit der Weizen-Ricotta-Mischung füllen, bis circa 1 cm unter den Rand.

Nun wird es etwas fummelig: nochmal etwas Mürbeteig ausrollen und sechs oder acht Streifen schneiden, die etwa 1,5 Zentrimeter breit sind und ausreichend lang, um sie über die Tortiera zu legen. Nun mit diesen Streifen ein Gittermuster  (entweder 3 plus 3 oder 4 plus 4, siehe Foto) auf der Tortiera formen. Im vorgeheizten Ofen bei 200 Grad Celsius (Umluft) für 30 Minuten backen. Dann auf 180 Grad Celsius herunterkühlen und weiterbacken, bis die Mischung sich über den Tortierarand erhebt und die Pasta-frolla-Streifen gelbbraun sind.

Nun müsst ihr euch noch ein bisschen gedulden, denn die Pastiera schmeckt am Besten, wenn sie 24 Stunden im Kühlschrank stand! Zeit genug, um das Chaos in der Küche zu beseitigen und ein paar Freunde zum Probieren einzuladen. Und um den Limoncello wieder in den Gefrierschrank stellen. Denn der passt hervorragend zur Pastiera.

Pastiera-Bastelstunde

Guten Appetit

♥Frau Pizzawürstel♥

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