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Limoncello – likörgewordener italienischer Sommer

22. June 2017
Weiße Tischdecke mit vielen gelben reifen Zitronen

Limoncello ist DER Sommerlikör und wird auch gerne mal in den Prosecco gemixt. Im Supermarkt ist der giftgelbe Hochprozentige teuer und scheußlich. Dabei ist er wirklich leicht selbstzumachen…

 

Instant-Urlaub aus der Flasche

Kindheitserinnerungen an nicht enden wollende Autofahrten voller Vorfreude und Ungeduld. Sandstrand, lange Aufbleiben, Eis und blaues Meer. Pizza, Pasta und gelb leuchtende Zitronen, enge Gassen, Steinhäuser, Ape und Vesper, laute Hupkonzerte und kleine Männer in bunten knappen Badehosen. Könnte ich zaubern, würde ich aus all diesen Eindrücken ein Destillat herstellen und immer daran schnuppern, wenn mich die Urlaubssehnsucht packt. Ach, Moment, so einen Zaubertrank gibt es tatsächlich schon. Limoncello! Likörgewordener italienischer Sommer.

Limoncello – einfach selbstgemacht

Die besten Dinge sind die einfachen Dinge. Das gilt auch für Limoncello. Um den toxischgelben Likör daheim herzustellen, braucht man nur wenige Zutaten.

Für grob 3 Liter Limoncello braucht man:

  • 1 Liter 96%igen Alkohol
  • 7 mittelgroße italienische Bio-Zitronen
  • 650 gr Zucker
  • 1500 ml Wasser

Sparschäler, Zitronen und 96%iger Alkohol. Limoncello in the making…

Die Zitronen in warmem Wasser waschen und trocknen. Mit dem Sparschäler (bei uns haben sich die Spargelschäler von Tupperware bewährt) die äußerste Schale abschälen. Das bittere pelzige Weiße darf nicht mit in den Limoncello! Die Schalen von sieben Zitronen in einen Liter Alkohol geben und in einem Einmachglas luftdicht verschließen.

Links: Limoncello. Rechts: Arancello (aus Orangenschalen)

40 Tage im dunklen Schrank stehen lassen und jeden Tag drehen. Dabei darauf achten, dass die Zitronenschalen von Akohol bedeckt sind. Schon nach wenigen Stunden wird der Alkohol gelb und nach wenigen Tagen sind die Schalen fahl.

Das Wasser erhitzen und den Zucker darin auflösen. Unbedingt abkühlen lassen. Dann erst mit dem gelben Alkohol mischen und mit einem Holzlöffel gut verrühen. Et voilà: der durchsichtige gelbe Alkohol und das Zuckerwasser verbinden sich zu dem köstlichen trüben zitronengelben Limoncello.

In Flaschen abgießen und im Keller lagern.

Limoncello muss gefrierschrankkalt getrunken werden!

Übrigens: Die geschälten Zitronen sind zu schade zum Wegwerfen. Wir pressen sie immer aus und frieren den Zitronensaft in Eiswürfelbeuteln ein für sommerliche Limonade.

 

Primofiore, Bianchetto und Verdello: Die Zitronenjahreszeiten

Die Qualität des Limoncellos hängt komplett von den Zitronen ab. In Italien gibt es drei Zitronenernten: Die ersten Zitronen “Primofiore” reifen im Oktober. Im Frühjahr ernten sizilianische Zitronenbauern die zweite Frucht, “Bianchetto” und die letzte Frucht reift im Spätsommer und heißt “Verdello”.

Zitronenbäume sind immergrün und brauchen subtropisches Klima. Den deutschen Winter überstehen Zitronenbäume nur im Haus, bzw in den eigens dafür gebauten Orangerien. Wenn man also nicht grade Zitronen aus dem Italienurlaub mitbringt, muss man sie hier im Bioladen suchen oder online bestellen. Zum Beispiel hier: Azienda Agricola Cracchiolo Croce Filippo. Der Versand kostet 30 Euro für 30 Kilo. Eine Sammelbestellung mit Freunden lohnt sich also.

Wir verwenden am liebsten grüne Zitronen. Aber egal ob grün oder gelb: die Südfrüchte müssen den Nageltest bestehen. Nur Zitronen, die nach dem Anritzen mit dem Fingernagel einen intensiven Duft verströmen, dürfen zu Limoncello werden.

Woher bekomme ich 96%igen Alkohol?

Zitronen sind nicht schwer zu finden. Der 96%ige Akohol hingegen ist in Deutschland wegen der Branntweinsteuer sehr teuer. Apotheken verkaufen den 96%igen unter den schönen Namen “Weingeist” oder “Primasprit” für etwa 30 Euro pro Liter. Günstige deutsche Anbieter verlangen etwa 25 Euro pro Liter. Auch hier lohnt sich eine Sammelbestellung mit Freunden, da die 5-Liter-Gebinde deutlich billiger sind als einzelne Flaschen. Am günstigsten ist jedoch der Import aus Italien, wo der 96%ige Alkohol in jedem Supermarkt für 14 Euro/Liter zu finden ist.

Wie viel Alkohol darf ich aus Italien importieren?

Die Zollbestimmungen sind ganz klar: Für den Eigengebrauch darf man 10 Liter starke alkoholische Getränke (über 22vol% Alkoholgehalt) einführen. Mit zehn Litern Primasprit kann man knapp 30 Liter Limoncello machen – das sollte euch über den Sommer bringen. Also beim nächsten Italienurlaub den 96%igen nicht vergessen!

Viel Spaß beim Panschen

Frau Pizzawürstel

schmale Flasche gelber Limoncello mit Korken und Zitronenanhänger

Das perfekte Mitbringsel und heißbegehrt: Flasche Limoncello aus Eigenproduktion

 

 

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